Die Swagat Gruppe trifft sich in lockerer Folge in der Gemeindewohnung in Delhi.

Die nächsten Termine finden Sie hier

Kontakt: Pfarrer Markus Lesinski

 

 

 

Junge Gemeinde trifft Swagat Gruppe

 

Die Swagat Gruppe – Unsere Geschichte

„Sag’ mal, kennen sich eigentlich die vielen deutschsprachigen Frauen, die mit Indern verheiratet sind und hier in New Delhi leben?“ fragte mich Sibylle Meyer in den ersten Monaten des Jahres 1996. Wir überlegten, wen wir zu diesem Kreis zählen konnten und ob wir zu einem gemeinsamen Treffen einladen sollten. Bevor wir Frauen aus unserer Zielgruppe ansprachen und das Interesse ausloteten, mussten erst kleinere Bedenken des Ehemannes von Sibylle, Pfarrer Dr. Ulrich Meyer, („Wie wird man eine solche Initiative aufnehmen?“) und größere Bedenken potentieller Teilnehmerinnen („Man sitzt nur bei Kaffee und Kuchen zusammen, schimpft über Indien und vergeudet seine Zeit“) zerstreut werden. Doch die meisten angesprochenen Frauen zeigten sofort Interesse und Begeisterung. Sibylle stellte sich als Gastgeberin zur Verfügung und am 26. April 1996 fand das erste Treffen mit ca. 20 Frauen in der Pfarrwohnung in Vasant Vihar statt.
Aus diesem ersten Nachmittag entwickelte sich im Laufe der Jahre ein Rhythmus mit monatlich stattfindenden Zusammenkünften in der Wohnzimmerkirche, einer Verabschiedung in die Sommerferien im Mai und einer Weihnachtsfeier im Dezember. Termine und Themen der Treffen wurden vorher festgelegt und die Einladungen erfolgten per Telefonkette. Wir freuten uns über jedes neue Gesicht in der Gruppe und alle „Neuen“ wurden sofort in die Gemeinschaft integriert. Ich erinnere mich, dass wir zu Beginn relativ ausgiebig Zeit damit verbrachten, uns selbst vorzustellen, über unsere Familienverhältnisse in Deutschland und in Indien zu reden, Vergleiche anzustellen und Rückblicke in die eigene Biographie zu nehmen. Später wandten wir uns dann allgemeineren Themen, z.B. aus den Bereichen Kunst, Kultur, Politik oder Medizin, zu, unternahmen einen Museumsbesuch, sahen einen Film oder luden Referenten (z.B. Regionalarzt, Leiter der Rechts- und Kulturabteilung der Deutschen Botschaft, Vertreter der Deutschen Bank, Indologie-Professor) zu Vorträgen über spezielle Sachbereiche ein. Vielleicht ist dieses weite Spektrum an Themen und Aktivitäten auch mit die Basis für die erstaunliche Kontinuität unserer Treffen. Ein weiterer Aspekt hierzu mag die Tatsache sein, dass sich die Freundschaften im Schutz der Gruppe über einen relativ langen Zeitraum entwickeln können und dann meistens über das Normalmaß oberflächlicher Bekanntschaften hinausgehen. Man weiß, dass sich die emotionale Investition lohnt, denn tiefergehende und längerfristige Freundschaften mit in Indien lebenden Deutschen werden aufgrund der meistens relativ kurzfristigen Aufenthaltszeiten zwangsläufig durch deren Abreise beendet und oft stellt sich auf Seiten der Zurückbleibenden ein Gefühl des „Übrigbleibens, Zurückgelassenwerdens“ ein. Zwar mussten wir schon hin und wieder schweren Herzens den Abschied einer Swagat-Teilnehmerin aus Indien feiern, doch lebt der Großteil der Frauen für immer in Indien. Dies sind wohl hauptsächlich die Gründe für die bisherige Weigerung der Gruppe sich nach außen hin zu öffnen und Frauen außerhalb des Swagat-Kreises zu den Nachmittagen einzuladen.

Die Swagat Gruppe trifft sich mit der jungen Gemeinde

 

Zum Ende des Jahres 1996 gaben wir uns selbst den Namen „Swagat“, ein Begriff aus dem Hindi („Willkommen“), mit dem sich alle gut identifizieren konnten . Mittlerweile betrug die Teilnehmerzahl regelmäßig ca. 8-15 Frauen pro Treffen und die Altersgruppe umspann 25 – 75-Jährige. Hin und wieder fanden die Treffen in der Wohnung einer der Frauen statt, doch meistens genossen wir die Gastfreundschaft bei Sibylle Meyer. Beatrix Keller-Dunoo übernahm administrative Belange, wie Ermitteln der Teilnehmerzahl der nächsten Treffen, Führen einer Adressenliste usw., eine Aufgabe, die sie bis zu ihrer Abreise nach Deutschland im Mai 2002 mit großem Engagement erfüllte und die seitdem von Peggy Bhohi wahrgenommen wird.Die

Im Mai 1998 feierten wir den Abschied von Sibylle Meyer aus Indien bei Helga Malhotra. Als Abschiedsgeschenk überreichte sie jeder von uns ein Exemplar der ersten Ausgabe des Kochbuchs, zu dem wir deutsche und indische Rezepte, die man mit in Indien erhältlichen Zutaten kochen kann, beigesteuert hatten. Sibylle ermunterte uns nachdrücklich, die Sammlung fortzuführen, zu erweitern und ein richtiges Kochbuch daraus zu entstehen zu lassen. Dieses Projekt verwirklichten wir dann ein Jahr später im Dezember 1999 mit einer erheblich erweiterten zweiten Auflage des Kochbuchs „….fast wie daheim“ (500 Stück, die inzwischen längst vergriffen sind) und im November 2000 brachten wir ein englischsprachiges Weihnachts-Backbuch „Let’s Bake“, German Recipes For Festive Occasions, ebenfalls mit einer Auflage von 500 Stück, heraus. Mittlerweile überlegen wir eine weitere Neuauflage des Kochbuchs; in deutscher wie auch in englischer Sprache, da wir aufgrund der durch ein Gemeindemitglied ergriffenen Initiative bereits im Besitz der vollständigen englischen Übersetzung des Manuskripts sind.

Mit Sibylles Abreise stellte sich mit einem Mal die bange Frage, ob und wo die Swagat-Gruppe ihre monatlichen Treffen fortführen konnte. Ein ähnlich günstig gelegener und gastfreundlicher Ort wie die Wohnzimmerkirche, für alle bekannt und leicht erreichbar, ließe sich nicht ohne immense Schwierigkeiten finden. Mit großer Erleichterung vernahmen wir, dass auch Frau Dr. Gudrun Löwner, die im August 1998 in New Delhi eingetroffen war, uns für unsere Treffen weiterhin die Gastfreundschaft in der Pfarrwohnung anbot und sich ebenfalls bereit erklärte, persönlich an dem Kreis teilzunehmen. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man ihre zahlreichen Verpflichtungen als Seelsorgerin und die damit verbundene Zeitknappheit berücksichtigt. An unserem ersten Treffen bei Frau Dr. Löwner nahm außer den Frauen der Gruppe Herr Oberkirchenrat Achilles teil, der zur Amtseinführung der neuen Pfarrerin nach Indien gereist war und seit dieser Begegnung die Swagat-Gruppe aus der Ferne mit Interesse und Sympathie begleitet. Auch wenn einige Swagat-Frauen Mitglieder in der Protestantischen Kirchengemeinde sind, legen wiederum andere großen Wert auf ihre konfessionelle Ungebundenheit bzw. Zugehörigkeit zu anderen Religionen. Diese Mischung und die damit verbundene Freiheit stellt in unseren Gesprächen kein Konfliktfeld (mehr) dar, sondern sie ist im Gegenteil eine Bereicherung für uns. Alle Swagat-Frauen unterstützen regelmäßig die Gemeinde in Form von Kuchenspenden, durch Mithilfe beim Basarverkauf oder finanzielle Unterstützung diverser Sozialprojekte.

Als Höhepunkte meiner langen Zugehörigkeit zur Swagat-Gruppe fallen mir die Mitarbeit am Koch- und Backbuch ein, deren Verkaufserlös die Gruppe sozialen Projekten der Gemeinde zur Verfügung stellt, eine Weihnachtsfeier, zu der wir zuvor Lieder auf Instrumenten einübten (Block- und Querflöten, Harfe, Klavier), eine mehrseitige Fragebogen-Aktion einer Praktikantin über die Swagat-Gruppe, mit überraschenden und nahezu kontroversen Erkenntnissen, ein ganztägiger Ausflug zur Farm von Monika Sharma zum Kennenlernen der jeweiligen Familienmitglieder usw. …. Die regelmäßige Teilnahme an den Swagat-Treffen ist mir in den vergangenen Jahren ein echtes Anliegen geworden und nur ungern versäume ich einen Nachmittag. Ich wünsche dem Swagat-Kreis langes Fortbestehen, eine Erweiterung der Teilnehmerzahl, eine Vertiefung der Kontakte zu weiteren deutschsprachigen Frauen mit indischen Partnern in und außerhalb New Delhis sowie fortbestehende Verbundenheit mit allen Swagat-Frauen weltweit.