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Delhi, 01.10.2017

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Fakir schafft es, nur einen einzelnen Kartoffelchip aus der Packung zu essen“, las ich jüngst im Postillion, dem Satireformat im Internet mit garantiert zweifelhaften Nachrichten. Na? Zuckt es? Greifen Sie gerade schon in Gedanken in die Tüte?

Bei mir funktionierte diese Überschrift sofort. Und das obwohl ich in Wirklichkeit nur ganz selten Chips esse. Das erinnert mich an ein Experiment mit dem legendären Überraschungsei: Dort bekommen Kinder ein Überraschungsei. Ihnen wird ein zweites versprochen, sobald der Erwachsene zurückkommt. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie das erste Ei bis dahin nicht auspacken. Am Ende haben fast alle Kinder das Ei vor Ablauf der Zeit geöffnet. Ein, zwei Minuten hielt ihr guter Vorsatz. Dann war’s vorbei. Wie schrieb Paulus doch (Römer 7,18-19): „Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ Und deshalb braucht es für ihn Gottes Gnade. Erlösung findet sich nicht beim Menschen, sondern allein „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!“ (Röm 7,24-25)

Martin Luther hat dieser Gedanke befreit. Er war angstzerfressen, Gott nicht genügen zu können. Bis er in der paulinischen Theologie plötzlich etwas verstand. Mir erscheint das heute alles ganz fremd: Sünde, Vergebung, Erlösung, Gnade. Lauter Begriffe, die in meinem Alltag keine Rolle mehr spielen. Stattdessen bin ich davon überzeugt, Herr und Herrin meines eigenen Lebens zu sein. Ich glaube an Bildungserfolge, an Humanismus, an Aufklärung, an Toleranz und viele andere guten Dinge mehr. Und übersehe dabei den Scherbenhaufen der gescheiterten guten Vorsätze. Bitte nicht missverstehen: Bildung ist wichtig, sie lässt Mauern überspringen; Humanismus weiß um die Würde des Menschen über das subjektive Glaubensbekenntnis hinaus – das ist wichtig, weil ich, nicht nur hier in Indien, in einer multikulturellen Gesellschaft lebe; Aufklärung fordert den Einsatz des Verstandes, das ist immer gut; und Toleranz ist die Voraussetzung eines friedlichen Zusammenlebens. All diese guten Dinge brauche ich.

Aber sie allein machen nicht selig. Und das liegt vor allem daran, dass sich viel zu oft wichtige Gründe zwischen mich und meine guten Vorsätze schieben – oder auch einfach nur die Gewohnheit oder aber die Versuchung. Anstelle des Wortes Sünde wird heute dann gerne das Wort Scheitern verwendet. Und irgendwie ist das ja auch kein schlechter Ersatz. Allein, dass die Gottesdimension dabei verloren geht. Sie ist der Gewinn des Wortes „Sünde“. All mein Tun hat eben nicht nur etwas mit mir und den anderen Menschen und der Welt zu tun, sondern auch mit Gott. Deshalb kann er für mich kleinen Menschen eintreten. Kann er für mich Vergebung und Versöhnung schaffen. Und ich denke wirklich, dass Paulus Recht hat: erst so finde ich Frieden – mit Gott, mit meinen Nächsten und mit mir selbst.

 

Bitte nehmen Sie in Ihre und Eure Gebete auf – Fürbitten

+ die Opfer von Flut und Erdrutschen in Mumbai, Indien, Nepal und Bangladesch

+ die Opfer von Erdbeben und Hurrikanen und die Menschen in Mexiko, Mittel- und Nordamerika und der Karibik

+ die Menschen in Indien

+ die Church of Northindia (CNI), die vom 30.09.-02.10.2017 in Delhi ihre 16. Generalsynode feiert

+ die religiösen und sozialen Minderheiten in Indien

+ die muslimische Minderheit der Rohingyas in Myanmar und Bangladesch

+ die Menschen in Mali, Syrien, im Irak und Jemen, in der Ukraine, im Hungergebiet am Horn von Afrika (Äthiopien, Eritrea, Somalia, Sudan und Uganda), in Bangladesch und Nepal und die Flüchtlinge in Europa und Afrika, im Nahen Osten und in der südasiatischen See

+ die Menschen in Kolumbien, Ecuador und Venezuela.

(Zusammen mit dem ökumenischen Fürbittkalender des WCC)

Soll auch Ihr/ Euer Gebetsanliegen im Gottesdienst berücksichtigt werden? Teilen Sie es Pfarrer Lesinski mit (Kontakt s.o.).

 

Mit herzlichem Gruß

Ihr und Euer

Markus Lesinski, Pfarrer

 

… auch das noch!

“Geld folgt der Vision. Ihr liefert uns die Vision.“  Richard Mars, Delegierter der Presbyterianischen Kirche in Irland auf der Konferenz der Übersee-Partner vor der 16. Generalsynode der Church of Northindia in Neu Delhi am 29.09.2017