Liebe Leserin, lieber Leser,

Aus Delhi für alle unsere Gemeinden, 05.05.2019

Stellen Sie sich bitte einmal vor: Ein Mann geht in einen Bäckerladen und möchte Grillfleisch kaufen. Als ihm die erstaunte Verkäuferin sagt, dass es so etwas in diesem Laden nicht gebe, ist der Mann verärgert und beschließt, nie wieder eine Bäckerei aufzusuchen, da sie seinem Anliegen nichts nütze und somit sinnlos sei.

Erstaunlicherweise gibt es Menschen, die sich in ähnlicher Haltung der Bibel, aber auch anderen sog. heiligen Schriften nähern. Sie lesen zum Beispiel die Schöpfungsgeschichte. Weil sie hier jedoch nichts vom Urknall, der Evolution oder einer Kontinentaldrift zu lesen bekommen, halten sie diese Form der Darstellung für unwahr und sinnlos. Und anstatt sich mit der Frage zu beschäftigen, was es stattdessen dort vielleicht doch noch an Bemerkenswertem zu finden gibt, beschließen sie, dass es letztlich Unwissenheit oder Dummheit sein muss, die hier zum Ausdruck kommt.

Wer den Schöpfungsbericht im Alten Testament jedoch unvoreingenommen liest, kommt indes zu der aufschlussreichen Einsicht, dass jede Form von Schöpfung die Konsequenz von Scheidung, Unterscheidung und Benennung ist. Gott scheidet am Anfang der Welt das Eine vom Anderen. So entsteht aus dem Chaos, aus dem Unbegrenzten das Begrenzte, das Definierte. Die Form. Die Gestalt. Und nur das Definierte ist das Erkenn- und Benennbare. Nur so, durch die Scheidung entstehen die Dinge. Nur so entsteht die Welt. Das heißt: Allen Formen und allen Dingen und Wesen dieser Welt liegt die wichtigste Form, nämlich die Unterscheidung zugrunde. Die Unterscheidung ist sozusagen die Urform aller Formen. So kann ich nichts erkennen, wenn ich es nicht scheide von anderem. Genauso wenig, wie ich etwas benennen kann, wenn es nicht zuvor unterschieden wurde von anderem. Diese Erkenntnis gilt wohlgemerkt für alle Formen meines Lebens – und natürlich auch für mich selbst. Jede Sprache, auch jede moderne Wissenschaft verdankt sich letztlich der Konsequenz von Scheidung, Unterscheidung und Benennung. Sonst würde es sie ja schließlich gar nicht geben! Das wussten schon die, die den Schöpfungsbericht aufgeschrieben haben. Aber weiß ich es heute noch, wie ich jeden neuen Tag schöpfe durch Scheiden, Unterscheiden und Benennen? Und sei es allein den Bäckerladen von einer Schlachterei…!? (vgl. 1Mose 1,1ff)

Bitte nehmen Sie in Ihre und Eure Gebete auf – Fürbitten
+ die Menschen, die sich weltweit reformatorischen, orthodoxen und katholischen Kirchen hingezogen fühlen und ihren Glauben im Alltag zu leben versuchen

+ die Menschen, die von den Anschlägen in Sri Lanka betroffen sind

+ die Menschen die von Krawallen in Londonderry (Irland) betroffen sind

+ die Menschen, die vom Brand in Notre Dame, Paris betroffen sind

+ die Menschen, die von den Unwettern in Mosambik, Malawi und Zimbabwe sowie Indien, Bangladesch und Bhutan betroffen sind
+ die religiösen und sozialen Minderheiten in Indien, Nepal und Bangladesch
+ die Menschen in Mali, Syrien, im Irak und Jemen, in der Ukraine und in Venezuela, im Hungergebiet am Horn von Afrika (Äthiopien, Eritrea, Somalia, Sudan und Uganda), in Nepal, Bangladesch und die Flüchtlinge in Europa und Afrika, im Nahen Osten und in der südasiatischen See
+ die Menschen in Indien, Pakistan und auf Sri Lanka
(Zusammen mit dem ökumenischen Fürbittkalender des WCC)

Soll auch Ihr/ Euer Gebetsanliegen im Gottesdienst berücksichtigt werden? Teilen Sie es Pfarrer Lesinski mit.
Mit herzlichem Gruß
Ihr und Euer
Markus Lesinski, Pfarrer

… auch das noch! „Das Vergangene ist nicht tot. Es ist nicht einmal vergangen.“ (William Faulkner, 1897–1962,
Amerikanischer Schriftsteller, Literaturnobelpreisträger)

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