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Aus Delhi, für alle Gemeinden, 24.12.2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

in seinem neuen Buch „Tyl“ beschreibt Daniel Kehlmann den Gaukler Till Eulenspiegel. Kehlmann geht es dabei nicht um dessen Streiche, sondern um das Leben der Menschen in jener Zeit des dreißigjährigen Krieges. Es geht ihm um Leben und Überleben der Menschen. Der Vater des Knaben Tyll wird als ein kluger, aber in seinen Gedanken wirrer Kopf beschrieben. Er war lange Zeit durch die deutschen Lande gezogen und irgendwann bei der schönen Tochter des Müllers hängengeblieben. Er kann deutsch lesen und schreiben, ist stolzer Besitzer eines lateinischen Buches und versucht, die Gesetze der Welt mit Hilfe von Experimenten zu ergründen. Er beobachtet die Sterne und wundert sich über den Lauf des Mondes. Er kennt einige Grundlagen der Heilkunde und hilft bei Bedarf den Nachbarn. Eher zufällig wird eines Tages die Inquisition auf ihn aufmerksam. Es kommt, was kommen muss, wenn die Inquisition einen Menschen ergreift: Er wird zum Tode verurteilt. Am Abend vor der Urteilsvollstreckung gibt es die Henkersmahlzeit. Eigentlich hatte er diese für nicht mehr als ein Sprichwort erachtet und wundert sich, als ihm Fleisch und Brot, Butter, Käse und Kuchen aufgetragen werden. Sogar Wein gibt es zum Essen. Er isst und isst und isst, lässt sich nachbringen und stopft sich den Bauch. Und plötzlich begreift er: Er war in seinem ganzen Leben noch nie satt gewesen. Und er erkennt, dass viele seiner wirren Gedanken Folge dieses Hungers waren.

Für mich war diese Szene eine der eindrücklichsten des Buches. Der Mann, der seinen lebenslangen Hunger erst in dem Augenblick begreift, in dem er sich das erste Mal gesättigt schlafen legen kann.

Bei Johannes heißt es (6,35): „Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ In diesem Vers geht es nicht um leibliche Sättigung, sondern um die geistliche. Und ich frage ich mich, ob es sich beim geistlichen Hunger nicht vielleicht ähnlich verhält wie in der Geschichte: Eigentlich merke ich gar nicht, dass etwas fehlt. Eigentlich glaube ich, am Abend gesättigt vom Lebensalltag zur Ruhe zu gehen. Vielleicht ist hier und da einmal der Wunsch oder Gedanke, dass das Leben doch mehr zu bieten haben könnte. Aber solche Gedanken sind flüchtig. Es braucht das Erlebnis der Sättigung, um zu verstehen, welche Leere da in einem war.

„Jesus Christus spricht: Ich bin das Brot des Lebens.“ Natürlich sind nicht alle Menschen in gleicher Weise religiös musikalisch. Und doch hoffe ich für einen jeden Menschen, dass er wenigstens einmal in seinem Leben auch geistlich satt und zufrieden sein kann; dass er die Fülle erfährt, die Menschen in dieser Welt zu erleben fähig sind.

 

Bitte nehmen Sie in Ihre und Eure Gebete auf – Fürbitten

+ die Menschen, die vom Terroranschlag in Kaschmir betroffen sind

+ die Menschen, die sich weltweit reformatorischen, orthodoxen und katholischen Kirchen hingezogen fühlen und ihren Glauben im Alltag zu leben versuchen

+ die religiösen und sozialen Minderheiten in Indien

+ die muslimische Minderheit der Rohingyas in Myanmar und Bangladesch

+ die Menschen in den Erdbeben- und Tsunamigebieten Indonesiens

+ die Menschen in den Flutgebieten Südindiens

+ die Menschen in Mali, Syrien, im Irak und Jemen, in der Ukraine und in Venezuela, im Hungergebiet am Horn von Afrika (Äthiopien, Eritrea, Somalia, Sudan und Uganda), in Nepal, Bangladesch und die Flüchtlinge in Europa und Afrika, im Nahen Osten und in der südasiatischen See

+ die Menschen in Deutschland, Frankreich und Monaco

(Zusammen mit dem ökumenischen Fürbittkalender des WCC)

Soll auch Ihr/ Euer Gebetsanliegen im Gottesdienst berücksichtigt werden? Teilen Sie es Pfarrer Lesinski mit (Kontakt s.o.).

 

Mit herzlichem Gruß

Ihr und Euer

Markus Lesinski, Pfarrer

… auch das noch!

“Jede Geschichte hat immer so viele Seiten, wie sie Menschen hat, die die Geschichte erzählen.“ (Nikos Tsakis, 1818–1889, griechischer Philosoph und Schriftsteller)